Klimaanalyse vorgestellt
Erstelldatum31.10.2023
Immer häufiger Hitzetage - trotz hilfreicher Luftströme aus dem Odenwald
Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,
wer das Wort „Klima“ in den Mund nimmt, denkt oft an große globale Zusammenhänge, die die ganze Menschheit in den nächsten Jahrzehnten vor stetig stärkere Herausforderungen stellen werden. Doch auch im „Kleinen“ spielen klimatische Entwicklungen zunehmend eine Rolle.
Teil des öffentlichen Diskurses war in den letzten Jahren vor allem die gerade in den Sommermonaten zunehmende Hitzebelastung in besiedelten Gebieten. Im Zusammenhang mit der Entwicklung unseres Neubaugebietes in Hähnlein haben wir uns deswegen vor drei Jahren gemeinsam mit der Stadt Zwingenberg entschieden, eine Stadtklimaanalyse in Auftrag zu geben – nicht nur, aber auch, um künftige Wohnraumentwicklung in Kenntnis von wichtigen Frischluftschneisen, aber auch schon heutige existierenden „Hitzeinseln“ zu verfolgen. Daneben geht es nicht zuletzt um gesunde Wohn- und Arbeitsverhältnisse, die für uns alle von großer Bedeutung sind.
Gestern war es soweit. In der Sport- und Kulturhalle Hähnlein präsentierte Peter Trute von dem Fachunternehmen Geo-Net die Ergebnisse der kommunenübergreifenden Stadtklimaanalyse. Dabei kamen viele Grafiken zum Einsatz, die viele unterschiedliche Aspekte von kleinklimatischen Prozessen gezeigt haben.
Anfangs ging es unter anderem darum, dass die Abweichung der Temperatur vom langjährigen Mittel insbesondere seit den neunziger Jahren auch in Alsbach-Hähnlein und Zwingenberg beinahe kontinuierlich angestiegen ist. Besonders deutlich wird das dadurch, dass die fünf höchsten Jahresmittelwerte in der Temperatur in den letzten zehn Jahren erreicht wurden. Und – wie Peter Trute betonte – die Dichte der sehr hohen Temperaturen gegenwärtig immer stärker zunehme. Entsprechend müssten wir mit dem Klimawandel leben, ohne dass er damit den Eindruck erwecken wollte, man habe ihm keine sinnvollen Entscheidungen entgegen zu setzen.
Dass es bei dem Thema jedoch nicht nur um ein „Wohlfühlen“ in der Kommune geht, wurde anhand von zwei gegenüber gestellten Grafiken deutlich. Auf der einen Seite die Verteilung der Hitzetage, auf der anderen die vom RKI erhobenen Zahlen hitzebedingter Übersterblichkeit. Daran klar abzulesen: Hitze ist für vulnerable Gruppen (also ältere Menschen oder Menschen mit Vorerkrankung) wirklich gefährlich.
Wenn dann mit den länger andauernden Hitze- und Trockenperioden auch die Bodenfeuchte abnimmt, also den Pflanzen in urbanen Räumen weniger Wasser zur Verfügung steht, funktioniert auch die Abkühlung durch Verdunstung nicht mehr.
Dabei sei das Ziel von solchen Klimaanalysen nicht zuletzt, gesunde Wohn- und Arbeitsverhältnisse heute und in der Zukunft zu erhalten.
Dabei profitieren wir in Alsbach-Hähnlein und Zwingenberg noch von der sehr guten Lage am Rande des Odenwalds. Der Kaltluftabfluss aus dem Odenwald sorgt für einen fast permanenten Luftaustausch in unseren Kommunen – und macht es umso wichtiger, bewusste Entscheidungen beim Bauen zu treffen. So mahnte Trute etwa davor, den Luftkorridor zwischen dem Ortsteil Alsbach und Zwingenberg durch zusätzliche Bebauung zu verkleinern.
Immer wieder wurde dabei anhand von Grafiken deutlich gemacht, wie sich die Temperatur bei uns entwickelt, wenn die Menschheit in Sachen Kohlenstoffdioxid-Ausstoß so weiter macht, wie bisher. Oder aber die weitaus besser handhabbare Variante, wenn wir unser Handeln anpassen. Am Ende muss man sagen: Das Worst-Case-Szenario können wir uns in vielerlei Hinsicht nicht leisten.
In der Präsentation spielte übrigens auch eine Rolle, ob die Entwicklung eines „Quartier 22“ (Frankfurter Bogen), also die etwa 3,8 Hektar große Fläche westlich der Straße „Auf der Bach“, akzeptabel für die kleinklimatische Entwicklung bei uns gewesen wäre. Unter der Einhaltung eines etwa 30 Meter breiten Pufferstreifens bzw. des Erhalts der Kleingartenanlage an der südlichen Gebietsgrenze und einer eventuell reduzierten Geschosshöhe auf maximal zwei Vollgeschosse wurden keine Erkenntnisse gewonnen, die die Entwicklung von Wohnraum hier behindert hätten. Doch mit der politischen Entscheidung, die Entwicklung des Quartiers 22 abzuplanen, ist dieser Teilaspekt des Berichts leider obsolet.
Nicht obsolet dagegen sind die vielen Erkenntnisse im Detail. Der Plan ist so exakt modelliert, dass für jeweils fünf auf fünf Meter große Teilflächen in unserer Gemarkung genaue kleinklimatische Aussagen für heute gemacht und in die Zukunft prognostiziert werden können.
Wir haben also für mögliche Bauentscheidungen in der Zukunft eine vernünftige Grundlage, um einer weiteren Aufheizung unserer Gemeinde in den kommenden Jahren bestmöglich begegnen zu können. Dass das auch mit anderen Eingriffen – wie etwa der Schaffung von Grünflächen und der Verschattung von öffentlichen Räumen – einhergehen muss, versteht sich von selbst.
Sobald der finale Abschlussbericht vorliegt, wird er den Fraktionen zur Beratung zur Verfügung gestellt. Voraussichtlich im ersten Quartal des neuen Jahres können wir Ihnen diesen Bericht dann auch über die Homepage zum Download anbieten.
Herzliche Grüße
Ihr
Sebastian Bubenzer
Bürgermeister























