So schützen Sie sich vor Betrügern
Erstelldatum04.03.2026
Wenn das Telefon klingelt, ist es meistens harmlos: ein kurzer Gruß, eine Terminabsprache, vielleicht einfach nur ein „Ich wollte mal hören, wie es dir geht“. Und dann gibt es diese Anrufe, die genau darauf setzen, dass wir in Sekundenbruchteilen nicht mehr klar denken – weil plötzlich Angst, Zeitdruck und Gefühle am Hörer hängen.
Der berüchtigte Enkeltrick und Schockanrufe sind keine „alten Maschen von gestern“, sondern leider sehr aktuelle Betrugsformen – professionell vorgetragen, psychologisch geschickt und oft so gut inszeniert, dass es theoretisch jeden treffen kann.
Deshalb war die Resonanz auf unsere gemeinsam mit dem Polizeipräsidium Südhessen organisierte Info-Veranstaltung „Enkeltrick und Schockanruf“ gestern Nachmittag auch erfreulich groß.
Dabei wollten viele von Ihnen nach der Begrüßung durch Bürgermeister Sebastian Bubenzer nicht nur hören, was Kriminalhauptkommissar Tobias Scholle von der Polizeiberatungsstelle des Polizeipräsidiums Südhessen zu erzählen hatte.
Einige teilten im Foyer der Sport- und Kulturhalle Hähnlein auch Ihre persönlichen Erfahrungen mit dubiosen Gewinnspielmitteilungen, vermeintlichen Kontaktaufnahmen von Verwandten oder auch anderen Betrugsformen, bei denen es skruppellosen Menschen ausschließlich darum geht, den eigenen Kontostand zulasten ihrer Opfer zu verbessern.
Um allen, die nicht dabei sein konnten, ein paar Details mit an die Hand zu geben, zu denen KHK Tobias Scholle mehrfach auch sehr anschauliche Kurzfilme präsentierte, hier ein paar Infos aus seinem Vortrag:
- Die Vorgehensweisen beim „Enkeltrick“ oder „Schockanruf“ ähneln sich. Am Telefon ist plötzlich eine Person, die sich meist als enge Verwandte ausgibt und dem Vernehmen nach in einer Notsituation ist. Die Betrüger suggerieren, dass nur durch schnelle Zahlung einer größeren Geldsumme oder Abgabe von Wertgegenständen das „Problem“ zu lösen ist. Wenn die erfundene Geschichte dann noch mit einem Unglück (zum Beispiel „Autounfall, eine Person ist ums Leben gekommen“) verbunden wird, stehen viele Angerufene schnell unter Schock und können dann oft wie eine „Marionette“ von den Betrügern ferngesteuert werden. Die Übergabe des Geldes wird schlussendlich über eine dritte Person abgewickelt, die sich als Freund/in des Verwandten ausgibt.
- Wer solche Betrüger am Telefon hat, für den hat KHK Scholle eine klare Empfehlung: „Möglichst schnell auflegen“. Er wisse zwar, dass gerade ältere Menschen gelernt hätten, höflich und hilfsbereit zu sein, doch mit zunehmender Dauer des Gesprächs wachse die Gefahr, am Ende tatsächlich Opfer der Betrugsmasche zu werden. „Alles, was wirklich wichtig ist, kommt auf andere Art zu Ihnen“, betont der Kriminalhauptkommissar, dass schlechte Nachrichten entweder per Post geschickt und im Falle von Todesnachrichten beispielsweise immer persönlich durch die Polizei überbracht würden. „Nicht am Telefon und schon gar nicht als schockierende Nachricht“.
- KHK Scholle wies mehrfach darauf hin, in fragwürdigen Fällen auf das eigene Bauchgefühl zu hören. Man müsse sich auch keine Gedanken machen, der Polizei helfen zu müssen, die Betrüger zu „überführen“. Das sei zweitrangig. Er rate allerdings dazu, nach dem Auflegen eines Telefonbetrugsversuchs gerne die Notrufnummer 110 zu wählen. Niemand müsse Angst haben, dass man dafür von der Polizei kritisiert werde oder dies gar als missbräuchlich eingestuft werde.
- Bankangestellte sollten inzwischen gut geschult sein, bei dem Versuch, größere Summen kurzfristig von einem Konto abzuheben, bei den Kundinnen und Kunden nachzufragen. Vor allem, wenn die Kontoinhaber nervös wirken.
- Beim sogenannten „Enkeltrick 2.0“ wird über Nachrichten auf dem Handy oft versucht, sensible Daten abzugreifen oder Kontakte aufzubauen, um später eine Betrugsmasche durchzuziehen. Dazu zählen zum Beispiel die berüchtigten Nachrichten: „Mama, ich habe eine neue Nummer… Bitte ruf mich doch mal zurück.“
- Bei unbekannten Telefonnummern im Display lohne es sich, nicht dran zu gehen und die Nummer zunächst zu googeln, ob damit Betrugsversuche verbunden sein könnten. Wenn man sich jedoch meldet, dann besser nicht mit „Ja“ oder dem eigenen Namen, sondern mit „Hallo“. So werden potenziellen Tätern keine Informationen verraten und das „Ja“ kann nicht mitgeschnitten werden, um damit beispielsweise einen Vertragsabschluss zu unterstellen.
- Grundsätzliches Problem bei betrügerischen Kontaktaufnahmen sei es, dass die Dunkelziffer hoch sei. Wer tatsächlich reingefallen ist und den Betrügern vielleicht mehrere tausend Euro übergeben hat, reagiere im Nachhinein oft mit Scham oder Angst, für diese Sache kritisiert zu werden. Doch wenn es schon schwierig sei, mit der eigenen Familie oder Freunden darüber zu reden: Die Polizei sollte auf jeden Fall kontaktiert werden, um alle Informationen in die künftige Präventionsarbeit einfließen zu lassen und im Idealfall Täter sogar dingfest zu machen.
- An der Haustür gelte grundsätzlich: Keine unbekannten Personen in die eigenen vier Wände lassen. Sich von Amtspersonen oder Menschen im Einsatz besser auch einen Ausweis zeigen lassen.
Abschließend geht unser Dank natürlich an Tobias Scholle, der nach seinem Vortrag zur Präventionsinitiative „Wachsamer Nachbar“ im vergangenen Jahr nun schon zum zweiten Mal zu einer spannenden Infoveranstaltung nach Alsbach-Hähnlein kam.
Darüber hinaus danken wir aber auch unserer Kollegin Maike Ulrich aus dem Ordnungsamt, die nicht nur die Veranstaltung organisiert hat, sondern sich auch darum kümmert, dass wir als von der Polizei ausgezeichnete „KOMPASS-Kommune“ stetig am Ball bleiben, um unseren Bürgerinnen und Bürgern gemeinsam mit der Polizei ein möglichst sicheres Umfeld zu bieten.
Wer tiefer ins Thema einsteigen und sich auf alle möglichen Szenarien bestmöglich vorbereiten möchte, findet auf der offiziellen Seite zur Polizeilichen Kriminalprävention der Länder und des Bundes zahlreiche Infobroschüren und Informationen:



























